Bericht Talmud-Lesen im EM - oder: Tiefseetauchen in die Gedankenwelt unserer Vorfahren

von Daniel Krasa

Seit meiner frühen Jugend hat mich der Talmud irgendwie fasziniert. Anfangs natürlich nicht unbedingt nur aufgrund seiner philosophisch-religiösen Inhalte, sondern als ein – wie mein Großvater es nannte – niemals endendes Buch, in dem über Generationen hinweg diskutiert und debattiert wird. Und je älter ich wurde und je mehr ich mich mit Mischna und Gemara beschäftigte, desto mehr fühlte auch ich, als ob jeder individuelle Lebensabschnitt – also sinnbildlich jede „Generation“ meines Lebens – immer wieder neue Aspekte aus den Schriften herausliest. Gerade so, als würde sich der Text aufs Neue formen und genau dort ansetzen, wo ich mich persönlich gerade gedanklich und emotional befinde. Der Talmud ist für mich die vielleicht faszinierendste Schrift von allen, denn hier begründen sich so viele grundlegende Gedankengänge, die ich als typisch jüdisch bezeichnen würde, darunter das immer währende Hinterfragen, die unerschütterliche Suche nach der „wahren“ Lehre, aber auch der stets geistreiche Denkansatz, auf dem nicht zuletzt auch unser so oft kolportierter Humor basiert. Zwar bin ich alles andere als Talmud-fest, aber ich versuche in meinen kleinen Leseeinheiten zumindest zu erahnen, welch tiefes Wissen und welch scharfsinnige Weisheit...

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Aus dem Filmarchiv des Egalitären MinjanVon Massel und Schlamassel. Der Sänger Daniel Kempin - ARD 21.04.2011